Doch nicht jede negative Bewertung lässt sich entfernen – und „garantierte Löschung“ ist meist ein Warnsignal. Dieser Leitfaden erklärt ehrlich und im Detail, welche kununu-Bewertungen löschbar sind, wie das Verfahren Schritt für Schritt abläuft, was es kostet und wie lange es dauert – und was Sie tun, wenn eine Löschung nicht möglich ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Meinung bleibt, Falschbehauptung geht: Subjektive Eindrücke echter (Ex-)Mitarbeiter sind geschützt. Löschbar sind unwahre Tatsachenbehauptungen, Schmähkritik, Fake-Bewertungen und Richtlinienverstöße.
- Stärkster Hebel: kein echtes Verhältnis. Wer nie beworben oder gearbeitet hat, darf nicht bewerten – kann der Verfasser den Bezug nicht nachweisen, muss kununu löschen.
- Verfahren in Stufen: (1) Prüfverfahren bei kununu, (2) Abmahnung des Verfassers, (3) gerichtliches Auskunftsverfahren.
- Geduld: Das Prüfverfahren dauert oft mehrere Wochen, vor allem wenn der Verfasser Nachweise vorlegt.
- Wenn nichts geht: Arbeitgeber-Reputation aktiv aufbauen statt gegen zulässige Meinung ankämpfen.
Warum kununu-Bewertungen so wichtig sind
kununu ist Teil der New Work SE (XING-Umfeld) und mit Abstand das reichweitenstärkste Arbeitgeber-Bewertungsportal im deutschsprachigen Raum. Für Bewerber ist es oft die erste Anlaufstelle – ein schwacher Schnitt oder ein drastischer Erfahrungsbericht kann gute Kandidaten abschrecken, bevor es zum Gespräch kommt. Hinzu kommt die Google-Sichtbarkeit: kununu rankt häufig auf Seite 1 für „[Firmenname] Erfahrungen/Arbeitgeber“.
Welche kununu-Bewertungen lassen sich löschen?
kununu lebt von Erfahrungsberichten echter Bewerber und (ehemaliger) Mitarbeiter. Genau daran setzt jede Löschung an.
Gut löschbar:
- Fehlender Erfahrungshintergrund: Der Verfasser hat weder gearbeitet noch sich beworben. Das ist die Grundvoraussetzung jeder zulässigen Arbeitgeberbewertung – und der häufigste, stärkste Löschgrund.
- Unwahre Tatsachenbehauptungen: konkrete, nachprüfbar falsche Aussagen (z. B. „Gehalt wurde nie gezahlt“, obwohl belegbar gezahlt) – abzugrenzen von zulässiger Wertung.
- Schmähkritik & Beleidigungen: wenn die Herabwürdigung im Vordergrund steht, nicht die Auseinandersetzung in der Sache.
- Datenschutz-/Richtlinienverstöße: Nennung von Klarnamen (z. B. Vorgesetzte), diskriminierende oder rufschädigende Inhalte über Einzelpersonen.
Schwer bis nicht löschbar:
- Die subjektive Meinung eines echten Mitarbeiters („schlechte Führung“, „wenig Wertschätzung“, „Überstunden“). Auch wenn es unfair wirkt: Das ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt.
So läuft das Löschverfahren ab – Schritt für Schritt
Schritt 1: Prüfverfahren bei kununu
Eine begründete (in der Regel anwaltliche) Löschaufforderung geht an kununu. Kernargument ist oft, dass kein Arbeits- oder Bewerbungsverhältnis bestand oder eine unwahre Tatsachenbehauptung vorliegt. kununu leitet die Beanstandung an den Verfasser weiter und verlangt ggf. einen Nachweis (z. B. Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnung, Einladung zum Gespräch).
Dieses Prüfverfahren kann mehrere Wochen dauern – besonders, wenn der Verfasser Stellung nimmt. Lässt sich der Erfahrungsbezug nicht plausibel machen, muss die Bewertung entfernt werden.
Schritt 2: Abmahnung des Verfassers
Ist der Verfasser bekannt, kann er direkt abgemahnt werden – mit der Aufforderung, die rechtswidrige Bewertung zu unterlassen bzw. zu entfernen. Das greift vor allem bei unwahren Tatsachenbehauptungen und Beleidigungen.
Schritt 3: Auskunftsverfahren
Ist der Verfasser anonym und die Bewertung klar rechtswidrig, kann kununu unter Umständen gerichtlich zur Auskunft über Bestandsdaten verpflichtet werden, damit der Verfasser belangt werden kann. Das ist der aufwändigste Weg – sinnvoll bei hartnäckigen, gravierenden Fällen.
Melden vs. Anwalt vs. Auskunftsverfahren – Vergleich
| Kriterium | Eigene Beanstandung | Anwaltliche Aufforderung | Auskunfts-/Klageverfahren |
|---|---|---|---|
| Geeignet für | klare Fakes/Verstöße | unwahre Tatsachen, Schmähkritik | anonyme, gravierende Fälle |
| Dauer | Wochen | Wochen | Monate |
| Erfolg | mittel | gut bei klarer Rechtslage | hoch, aber aufwändig |
| Aufwand für Sie | mittel | gering | gering (Kanzlei führt) |
Sonderfälle für Arbeitgeber
- Bewertungswelle nach Kündigung/Umstrukturierung: mehrere negative Einträge in kurzer Zeit – Muster dokumentieren, einzeln prüfen.
- Konkurrent oder „Fake-Ex-Mitarbeiter“: bestreiten des Beschäftigungsverhältnisses ist hier besonders wirksam.
- Detail-Behauptungen, die nur ein Insider wissen könnte: erschweren das Bestreiten – dann auf falsche Tatsachen/Schmähkritik abstellen.
- Antwortfunktion nutzen: kununu erlaubt offizielle Stellungnahmen – eine sachliche Arbeitgeber-Antwort wirkt auf Bewerber oft stärker als die Bewertung selbst.
Wenn Löschen nicht geht: Arbeitgeber-Reputation aktiv stärken
Gegen eine zulässige, echte Mitarbeitermeinung hilft kein Löschantrag – hier entscheidet das Gesamtbild:
- Aktiv aktuelle, echte Bewertungen einholen (zufriedene Mitarbeitende einladen) – frische, positive Stimmen relativieren alte Ausreißer und verbessern den Schnitt.
- Professionell auf Kritik antworten – zeigt Bewerbern Haltung und Lernbereitschaft.
- Negative Treffer verdrängen: Wie man die Google-Sichtbarkeit steuert, steht im Leitfaden Online-Reputationsmanagement und unter negative Suchergebnisse verdrängen.
Unsicher, ob Ihre kununu-Bewertung löschbar ist?
Schicken Sie uns den Link – wir prüfen kostenlos, ob eine Entfernung realistisch ist, und sagen Ihnen ehrlich, welcher Weg sich lohnt.
Kostenlos prüfenHäufig gestellte Fragen
Nein. Subjektive Meinungen echter (Ex-)Mitarbeiter sind geschützt. Löschbar sind vor allem Fakes ohne echten Erfahrungsbezug, unwahre Tatsachenbehauptungen, Schmähkritik und Richtlinienverstöße.
Das Fehlen eines echten Arbeits- oder Bewerbungsverhältnisses. Bestreitet der Arbeitgeber den Bezug und kann der Verfasser ihn nicht nachweisen, muss kununu die Bewertung entfernen.
Das Prüfverfahren dauert meist mehrere Wochen, vor allem wenn der Verfasser Nachweise vorlegt. Klare Fälle können schneller gehen, das Auskunftsverfahren dauert Monate.
Die eigene Beanstandung ist kostenlos. Anwaltliche Schritte richten sich nach Aufwand (außergerichtlich vs. Auskunfts-/Klageverfahren). Eine pauschale „Löschgarantie“ ist unseriös.
Bei anonymen, klar rechtswidrigen Bewertungen kann kununu gerichtlich zur Auskunft über Bestandsdaten verpflichtet werden – aufwändig, aber möglich.
Zulässige, sachliche Meinungen echter Mitarbeiter ja – das ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Rechtswidrige Inhalte müssen Sie nicht hinnehmen.
Nein. Der Ausgang hängt vom Einzelfall ab; an einer zulässigen Meinung scheitert auch der beste Anwalt. Seriös ist eine ehrliche Einschätzung der Erfolgsaussichten.
Ja, sachlich und lösungsorientiert – die Antwort ist für die mitlesenden Bewerber. Niemals persönlich werden oder interne Details/Namen nennen.
Durch echte Mitarbeiterzufriedenheit, aktives Einholen ehrlicher Bewertungen und schnelle Reaktion auf Kritik – ein stabiler, glaubwürdiger Schnitt ist der beste Schutz.